Wüste, Wadis und ein Markttag

 

Wahiba Sands, ein überschaubares Sandmeer mit 250 km Nord-Südausdehnung und einer Breite von nur etwa 80 km. Wir waren ja schon mal dort, vor sieben Jahren, haben sie aber noch nie durchquert. Das ist unser erklärtes Ziel für diese Reise. Wir fahren im Süden rein und wollen im Norden wieder rauskommen. Mit uns gemeinsam fahren noch zwei kleinere Allradfahrzeuge und das passt sehr gut für uns, wir sind also nicht alleine. Also „Zugmaschine“ gelten wohl nur wir für sie und nicht umgekehrt. Aber sollte es ein Problem geben, dann könnte zumindest jemand Hilfe holen. Auch das ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Die Sandbeschaffenheit in der Wahiba ist z.T. sehr unterschiedlich und auch die Dünen variieren. Mal gleiten wir durch tiefen puderweichen Sand, dann wieder ist die Piste richtig hart und geht sie durch ein breites Dünental mutet sie wie eine Flugzeuglandepiste an. Im Süden gibt es Teile mit noch ziemlich viel oberflächlichem Grundwasser, sodass Büsche und Bäume noch ihr Auskommen finden. Diese Gegenden nutzen auch die Beduinen mit ihren Ziegen und Kamelherden. Wir verbringen eine wunderbare erste Nacht unter einem schattigen Baum  und eine ziemlich mühsame zweite Nacht bei sandsturmähnlichen Bedingungen. Der wunderbare Standplatz hoch oben auf der Düne wandelt sich ganz plötzlich, als mit der untergehenden Sonne thermische Winde über die Dünenkämme brausen. Unmöglich hier draußen zu sitzen. Ein durchaus spannendes Schauspiel, aber lustig ist es nicht!!!!! So sandgestrahlt und eingesandet wie wir alle waren, ging es Tags darauf dann im Norden aus der Wüste raus. Es war nicht unsere spannendste Wüstentour, nicht die beeindruckendste, aber es waren zwei gute Tage.

 

Nachdem wir unseren Styros einer ausgiebigeren Reinigung unterzogen und unsere Vorräte wieder aufgefüllt haben, suchen wir Entspannung im ganz nahe liegenden Wadi Bani Khalid. Wir wandeln hier auf bekannten Wegen und natürlich hat sich in den letzten sieben Jahren einiges verändert. Das damals schon touristische Wadi hat an Erschließung natürlich zugenommen. Doch wir sind ganz früh morgens dort und können es trotzdem genießen – die Wanderung entlang ins Wadital und ein Bad im glasklaren Wasser der steinernen Pools. Viel schöner allerdings ist jener Platz nur wenige Kilometer wadiabwärts, den wir mehr zufällig entdecken und zu unserem Favorit in Sachen Wadis küren. Eine kurze Stichstraße mitten in den Palmenhain, links und rechts geht es den Hang hinauf zu zwei Dörfern, vor uns verjüngt sich das Tal mit hohen Bergflanken und wir dürfen direkt davor am Wasser stehen. Abends rufen hintereinander gleich mehrere Muezzins zum Gebet und tauchen das Tal in eine mystische Stimmung, die das Froschkonzert während der Dämmerung dann vervollständigt. Morgens weckt uns ein so tropisches Vogelgezwitscher, dass ich mich tatsächlich irgendwo in Asien wäge, wenn ich meine Augen schließe. Es ist einfach traumhaft hier. Deshalb verbringen wir auch gleich drei Tage hier, unterbrochen nur durch einen Marktbesuch in Ibra, einer nahe gelegenen, großen langgezogenen Oase.

 

Schließlich, es ist Mittwoch, Frauen-Markttag! Der Frauen-Souq ist der einzige Markt im Oman, der nur für Frauen gedacht ist. Auf diesem eher kleinen Gelände hat „Mann“ nun tatsächlich keinen Zutritt. In erster Linie findet man hier Stoffe, Stoffe, ja und Stoffe! Und auch alles um die Stoffe zu verzieren, Borden in schillernden Farben, sowie auch Räuchermischungen und Parfums. Alles, wonach das Frauenherz wohl so begehrt. Nicht minder interessant ist der Tiermarkt. Stolze Besitzer in blütenweißen Dishdashas, viele mit dem so typischen Stock, leider aber nur noch selten mit Krummdolch am Gürtel, preisen ihre Tiere an. Ein unaufgeregtes aber sehr landestypisches und traditionelles Markttreiben, bei dem wir gerne gesehene Gäste sind.