Letzte Tage in

Bandar Abbas

und Qeshm

 

Wir verbringen drei Tage am Parkplatz des Hotels Akhavan in Kerman, Provinzhauptstadt im Süden. Das ist nötig, um nach der Wüstentour wieder alles auf Vordermann zu bringen. Das Internet funktioniert wieder und wir haben endlich „Kontakt zur Außenwelt“. Apropos Kontakt….. wir haben nochmal Besuch - diesmal von Vertretern „des Tourismusverbandes“, wie sie behaupten! Ha, ha, ha….. Sie nehmen Drohnen, Speicherkarte und Fotoapparate mit,  wissen über unsere Offroad-Touren Bescheid und stellen erneut Fragen zum Zweck unserer Reise. Doch nicht nur uns mit unseren großen Autos, auch Reisefreunde mit ganz normalem WoMo trifft dieselbe Prozedur. Ein fast schon gewohntes, betont höfliches aber sehr bestimmtes Kontroll-Ritual endet auch diesmal folgenlos, verstärkt aber den bitteren Beigeschmack dieses Landes.  Am nächsten Tag, 8.00 morgens, wollen sie uns alles wieder zurück bringen. Da wir unsere Speicherkarte aber ohnedies nicht mehr benutzen werden, fahren wir gleich früh morgens los. Unsere Freunde warten natürlich auf ihr Equipment. Es dauert nicht lange, da veranlasst uns auf der Ausfallsstraße aus der Stadt ein Pickup zum Anhalten. Da sind sie wieder…. jene freundlichen Herren …. bringen uns „nur“ unsere Speicherkarte zurück. „Everything is OK. Have a nice trip and good by“. Mir fehlen die Worte und ich blicke ungläubig in die nächste Kamera über der Straße …. In diesem Moment zieht es uns alle irgendwie weg. Raus aus der Provinz, vielleicht sogar ein bisschen raus aus dem Land. Oft sind das dann auch nur momentane Stimmungen, tags darauf kann es sich wieder anders anfühlen, aber die Ereignisse bleiben zweifellos nicht ohne Resonanz.

 

Zuerst aber heißt es mal noch 500 km weiter nach Süden zu fahren, direkt an den Persisch-Arabischen-Golf, nach Bandar Abbas. Die Straße von Hormus ist ein strategisches Nadelöhr, das täglich bis zu 35 Supertanker und unzählige Handelsschiffe passieren. Wir stehen also wieder mal an einer Grenze – nach 82 Tagen sind wir kurz vor der Landmasse der VAE angekommen.

 

Hier in Bandar Abbas sei „alles anders“, so erzählt uns Ali, als er die Flasche selbstgekelterten Wein aus seinem Kofferraum holt und uns daraus anbietet. Er spricht uns an, da er gerade mit zwei Freunden, die seine Couchsurving-Gäste sind, unterwegs ist. Ein Deutscher und eine Iranerin. Ich bin mehr als erstaunt, dass dies hier möglich und erlaubt ist. Wir verbringen gemeinsam den Abend am Fischmarkt und Samira begleitet uns auch noch die nächsten Tage – auf ihrer Suche nach einem neuen Leben, wie sie sagt….

 

Die Tage bis zu unserer Fähre füllen wir noch mit einem Ausflug auf die größte Insel Irans und setzen über auf Qeshm. Das Eiland mit einer Ost-Westausdehnung von ca. 140 km ist zur Freihandelszone erklärt worden, was viele Iraner zum Einkaufen hierher lockt. Schon die Straße Richtung Hauptstadt lädt mit Plakaten vom neuersten iron automat und  dem aktuellsten meat grinder dazu ein. Beides brauchen wir im Moment aber nicht. Viel beeindruckender ist aber die Tatsache, dass die Landmasse einem einzigartigen Geopark mit hoher seismischer Aktivität entspricht. Jedes Jahr wird die Insel etwa 25 mm gegen das Festland gedrückt. Man findet tief ausgewaschene Täler und imposante Felsformationen mit unterschiedlichsten Einschlüssen im Kalkgestein. Im Süden haben sich Salzablagerungen im Zuge der Erosion zu einem Berg aufgetürmt, der von tiefen Höhlen durchlöchert ist. Christian erkundet das ganze Gebiet mit dem Motorrad und wähnt sich in einer Mondlandschaft, wie er mir erzählt. Ansonsten besticht die Insel mit vor allem staubigen und charmelosen Straßendörfern, farblich nur aufgelockert durch die bunten Schiffswerften an der Nordküste. Am Ende des Tages zeigt Christians Tages-km-Zähler gleich mal wieder 200 km an und die Staubschicht, die ihn ummantelt, gefühlte 2 cm.

 

Ich habe immer wieder Gelegenheit, mich mit Samira zu unterhalten. Sie wäre traurig, erzählt sie mir. So wie überhaupt die Stimmung im Land für Viele sehr traurig wäre. Einige ihrer Freunde würden in Deutschland oder Amerika leben und auch sie würde am liebsten emigrieren. Dieser Drang Fortzugehen, so verstehe ich es, findet seine Ursache vor allem in der Tatsache des Verlustes geistiger Freiheit. Man kann hier nicht einfach laut sagen, was man denkt, ohne Gefahr zu laufen, dafür ins Gefängnis zu kommen oder anderen Repressalien ausgesetzt zu sein. Sie erzählt mir von einem Freund, der bei friedlichen Protesten von der Polizei an den Augen so schwer verletzt wurde, dass er zumindest eines sicher verlieren wird. Auch wusste ich nicht, dass hier im Iran Säureattentate auf Frauen immer noch stattfinden. Überhaupt zeigt sie mir ein Bild dieses Landes, das ich zwar ab und zu erahne, von dem ich aber keine klare Vorstellung habe. So bleiben auch jetzt am Ende unseres Iranaufenthalts viele Fragen offen ….

 

Ich selbst befinde mich in einem kleinem Reisevakuum zwischen dem Iran hier und dem bald Zuhause-Sein. In 3 Tagen geht unsere Fähre in die VAE – sofern das Wetter die Überfahrt nicht beeinträchtigt – Inshallah! Und am 16.12. betrete ich wieder österreichischen Boden für einen kurzen Heimurlaub. Es wird wieder ein Eintauchen in eine andere Welt sein. Doch ich weiß, der Wechsel in diese Richtung geht  ganz schnell und ich fühle mich sofort „angekommen“ – es ist mein Zuhause und wird es immer bleiben!