Im Land der Burgen

Pelops ist gerade etwas beleidigt, fühlt sich nicht genügend wertgeschätzt, weil wir sein Highlight geschmäht haben. Sein Antikes Messene haben wir einfach links – oder vielmehr rechts von uns – liegen gelassen. Die Mauern dieser Befestigungsanlange sind bestimmt beeindruckend. Als Dank dafür, dass die Messenier den großen Feldherrn Epaminonadas halfen die Großmacht Sparta aus der Region zu vertreiben, errichtete dieser 369 v.Chr. die Stadt am Fuße des 800m hohen Ithome-Berges.  Nun gut, zumindest nachgelesen  haben wir. Und dass wir uns nur für Strände interessieren würden, stimmt nun überhaupt nicht – dafür ist es zu kühl und vor allem zu windig!!!!! Immer noch. Also guter Pelops, lass den Zynismus und uns die Freude am gemütlichen Reisen!  

 

Messenien, dieser westlichste Finger, ist für uns das Reich der Supermächte des Mittelalters. Groß und mächtig ragen ihre Burgen aus der Landschaft. Koroni und Methoni bilden  beeindruckende See-Festungen am jeweils südöstlichen und südwestlichen Ende des Fingers. Messenien hat aber auch sehr fruchtbare Ebenen, es gedeihen Obst, Gemüse,  auch Wein und natürlich Oliven in großer Fülle, was die Region reich gemacht hat. Und inmitten des grünen Teppichs aus Olivenbäumen erheben sich Zypressen wie Stecknadeln aus einem Nadelkissen – einfach wunderschön.  

 

Koròni schützte also die östliche Flanke der messenischen Halbinsel. Wenngleich der Tourismus sich in der Region stark entwickelt hat, es gibt bereits ein Charterflugangebot, konnte sich das kleine Städtchen dennoch seinen Charme bewahren. Steile schmale Gassen führen zwischen weiß gekalkten Häusern hinauf zur eindrucksvollen Zitadelle. Die 300jährige Herrschaft der Venezianer lässt sich nicht leugnen. Doch danach kamen die Türken, dann wieder die Genuesen, dann wieder die Türken, die Spanier, sogar Russen und schließlich auch nochmal die Franzosen – ein Spielball der Großmächte im Mittelmeer.

 

Wir finden ein ganz nettes Strandplätzchen, Christian trotzt dem Wind und geht auch jeden Tag tapfer ins Meer und abends sitzen wir gemütlich am Lagerfeuer. Ich kann mit dem Attribut der mimosenhaften Prinzessin gut leben und meide in diesen Tagen das kalte Nass. Zu einem sich täglich mehrmals wiederholenden Prozedere gehört auch der Transport unserer Campingausrüstung mal vor das Auto, dann dahinter, dann mal nach rechts oder links davon – immer auf der Flucht vor dem Wind und vor Staub, den er gnadenlos vor sich herschiebt. 

 

Wir queren den Südzipfel Messeniens und erreichen Methòni. „Weißt du überhaupt warum Methòni so heißt wie es heißt?“ fordert mich Pelops wieder mal heraus. Natürlich weiß ich es nicht! „Hättest du Homer gelesen, wüsstest du es!“ Der Punkt geht an ihn. „Die mit Trauben beladenen Esel fielen schon beim bloßen Geruch in einen Rausch“, lässt er mich weiter rätseln. „Ah…“ starte ich einen neuen Versuchsballon…“ und Rausch ist auf griechisch methoun, stimmt`s?“ Pelops nickt zustimmend und ich habe wieder etwas an Terrain gewonnen.  „Und irgendwann mal bot der gute Agamemnon die Stadt dem stets schmollenden Achill an, damit er endlich wieder den Kampf gegen die Trojaner aufnehmen würde“, führt er weiter aus. Nun, das muss  man ja nun wirklich nicht wissen. Mythos hin oder her, wir sind auf jeden Fall restlos begeistert, von dieser mächtigen Festung.

 

Wir betreten die riesige Anlage über die steinerne Brücke, unter uns ein mächtiger Burggraben. Die eigentlichen Ausmaße offenbaren sich uns erst mit der Zeit. Die Mauern sind von messerscharfen Klippen umgeben, die ein Anlanden von Feinden unmöglich machte. Und zwischen den Mauer- und Gebäuderesten und den Wehrtürmen empfängt uns ein ebenso prächtiges Blumenmeer in rot, lila und gelb, umschwärmt von Hundertschaften von Bienen, Hummeln und Käfern. Und da ging`s plötzlich los mit dem Gebrummel auf meinem Kopf!!! „Hilfe, hilfe, Christian, es sind lauter Viecher auf meinem Kopf“. Er rettet mich natürlich … und dann die Klärung der Misere … ich hatte mir zuvor ganz kess eine gelbe Blume ins Haar gesteckt! Na, hab ich gedacht, dass mich das so „anziehend“ machen würde?? Christian schüttelt natürlich nur den Kopf….

 

Für die zweite Nacht in Methòni suchen wir uns einen ganz speziellen Platz aus. Östlich der Festungsanlage liegt ein mächtiger Felsvorsprung, ebenfalls von Mauern abgestützt, ein kleiner Weg führt ans Ende -  oder an den Abgrund? Man kann darüber diskutieren, ob wir dabei der archäologischen Stätte zu nahe gerückt sind, na jedenfalls hat sich zu diesem Zeitpunkt niemand daran gestoßen. Vielleicht auch, weil Ostern ist und alle mit anderen Dingen beschäftigt sind. Nun es stimmt nicht ganz, jemand meinte sehr wohl, dass wir „too havy“ für diesen Ort wären. Und in Anbetracht der wieder extrem stürmischen Nacht und der Tatsache, dass wir aus unserem Schlafzimmerfenster direkt 50 m in den Abgrund blicken, war unser Schlaf nicht sehr von Ruhe gekrönt. Christin bekam den Gedanken eines möglichen Erdbebens nicht mehr aus seinem Kopf und ortete seismographengleich jedes Rütteln an Styros als Gefahr. Mich beängstigen die tosenden Wellen die mit tonnenschwerer Gewalt gegen die Festungsmauern schlagen irgendwann doch ein wenig. Eine ruhige Nacht war es für uns beide nicht, wenngleich beeindruckend und unvergesslich! 

 

Am Vorabend wohnten wir übrigens einer Osterprozession bei. Die Kirche war gut gefüllt, die Liturgie lange – zu lange für uns – und recht eintönig, ohne Musik oÄ. Interessant nur, dass alles was der Pope von sich gab, per Lautsprecher auch nach außen getragen wurde. So konnte man sich des Eindrucks eines Muezins nicht ganz entziehen. Aber wie schon gesagt, die Türken waren häufig hier präsent.