End of Oman - Abu Dhabi 

Wie soll es weitergehen ?

 

Wir waren jetzt zwei Monate im Oman und können nur Positives berichten – unsere Entscheidung, nochmal hierher zu kommen, war also richtig. Der Oman ist ein ideales Reiseland, um als Selbstfahrer unterwegs zu sein. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, die Versorgungslage mit Lebensmitteln entspricht unserem Standard (auch die Preise, wenn nicht gar höher), die Straßen sind gut und es gibt genügend Gelegenheit seine Offroad-Bedürfnisse zu stillen. Das Land besticht durch seine geologische Vielfalt und seine wilden Naturschönheiten. Auch die Küsten im Süden sind mehr als nur einladend. Das eine oder andere verlassene Lehmdorf als Relikt vergangener Zeiten ist absolut einen Besuch wert. Vielleicht auch Muskat mit seiner Cornice als moderne Stadt, sowie ein paar charismatische Bergdörfer. Sonst mutet die bebaute Struktur allerdings eher eintönig an. Vom Alten ist nicht mehr viel vorhanden, das Neue besticht wenig. Das Land bietet die beiden Wüsten Rub al Khali und Wahiba Sands und natürlich eine Menge Kamele allerorts. Ja, und es gibt viel Wind im Land, der einem ausnahmslos auf die Nase bläst! Staubig Zeiten brechen an, wenn sich wieder mal der feine Oberflächensand der ausgedörrten Ebenen über alles legt, was in seiner Nähe ist. Nicht nur einmal haben wir uns hinter eine Hausmauer verkrochen, um nicht beim Öffnen unseres LKWs eine Sanddüne mit ins Haus zu ziehen. Und jeder Stellplatz an der Küste lässt Styros bei so einem Wind wie einen Salzhering aussehen.  Das alles macht verständlicher Weise weniger Freude. Wir konnten auch ganz deutlich feststellen, dass der Tourismus im Land stark zugenommen hat. Vor sieben Jahren gab es kaum Individualtouristen, Selbstfahrer sahen wir überhaupt beinahe keine. Heute bevölkert die Hotspots eine Armada an SUVs, mit Guide und Gästen. Da das Öl nicht mehr so sprudelt wie einst, wird sich das Land auch einiges einfallen lassen müssen, um seine Bevölkerung zu beschäftigen. Tourismus ist eine Schiene, andere Bereiche werden folgen müssen. Man bemüht sich schon jetzt mehr und mehr die ausländischen Arbeiter und Angestellten im Land durch eigene Leute zu ersetzen. Aber da steht dem neuen Sultan ein hartes Stück Arbeit bevor und es wird Jahre brauchen, um die Leute darauf einzustimmen. Auch der Omani ist nicht so sehr daran gewöhnt, wirklich zu arbeiten. Für alle niedrigen Tätigkeiten gibt es Bangladeschi und Inder und qualifizierte Jobs erledigen Ausländer. Diese sind auf Sicht jedoch zu teuer für die Wirtschaft. Veränderung steht also an. Wir auf jeden Fall haben uns wirklich wohl gefühlt in diesem Land. Jetzt, nach zwei Monaten, merken wir aber, es ist genug. Genug Wadis, genug Wüsten, genug Staub, genug auch der Holperpisten.

 

Doch genau hier spießt sich unser Plan mit der Realität. Unsere geplante Route zurück in den Iran und dann weiter, ist durch Covid-19 stillgelegt. Wir kommen erst gar nicht mehr runter von der Arabischen Halbinsel, die Grenze zum Iran ist zu. Wir sind quasi hier gestrandet. Und mittlerweile ist es so, dass man aus dem Iran auch nicht mehr hinaus kommt, sollte man noch eingereist sein. Es ist ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für uns, dass sich die Lage gerade jetzt so zuspitzt. Die Meldungen in den Medien berichten täglich von neuen Fällen.  Panik aller Orts. Wir wissen nicht, welche anderen Grenzen demnächst ihre Pforten schließen werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Unser bereits gebuchtes Ticket für einen Flug von Teheran nach Hause, können wir gleich als Spende betrachten, da ja höherer Gewalt geschuldet, und einen anderen Unterbringungsplatz statt Teheran hier in den VAE zu finden, gestaltet sich schwieriger als zuvor gedacht. Alle Bezeugungen, uns zu unterstützen erweisen sich in der momentanen Situation als nicht gesichert. Hinzu kommt, dass wir Styros auch nicht auf unbestimmte Zeit hier unten lassen möchten. Also was tun? Unsere Nächte sind unruhig, die Gedanken kreisen immer um dasselbe Thema. Wir haben keine Muße mehr und besichtigen in Abu Dhabi den Louvre und den neuen Sultanspalast im Eiltempo. Kunst auf der Einen und unglaubliche Dekadenz auf der anderen Seite. Letztlich beschließen wir, gemeinsam mit dem Dicken den Heimweg anzutreten, wenngleich dieser noch nicht sichergestellt ist. Wir brechen nach Saudi Arabien auf – was überhaupt erst seit Kurzem geht – und möchten dann weiter über Jordanien nach Israel fahren. Von dort, von Haifa fahren Fähren nach Italien und Griechenland. Vor zwei Tagen erst ließ jemand in den Social Medias auch diese Seifenblase zerplatzen, da er meinte, Haifa wäre geschlossen. Aber dies scheint im Moment wohl doch nicht so zu sein. Zuerst mal heißt es, die Grenzbeamten von Abu Dhabi zu bezirzen, damit sie uns überhaupt ausreisen lassen, weil ja die Weiterreise nicht sichergestellt werden kann. Die Einreise in das Königreich Saudi Arabien gestaltete sich unglaublich mühsam. Ein Visa on Arrival ist nicht mehr möglich, also müssen wir rasch vor Ort noch ein e-Visa beantragen. Wir haben dort noch kein Internet, alles schwierig, dann ist das Signal wieder total schwach. Irgendwann haben wir unsere Visa. Dann fühlt sich aber keiner für dafür zuständig, das weitere Prozedere zu vollziehen. Warum? Das wissen wir nicht. Es ist Freitag, vielleicht deshalb. Nach über 5 Stunden haben wir es endlich geschafft und parken ziemlich fertig auf saudiarabischem Boden. Heute passiert nichts mehr – nur noch Schlafen.