Fremde zauberhafte Welt
Eine Welt ganz für sich, nicht für den Menschen gemacht. Doch als Zaungäste dürfen wir hineinspähen. Der Aufwand ist nicht unerheblich, erst mal hierher zu kommen erfordert schon Zeit und Geld. Und dann die Enttäuschung schon nach meinem ersten Dive. Irgendwas geht schief in meiner Stirnhöhle, die Belüftung funktioniert nicht, Druck, Schmerz, ein bisschen Blut aus der Nase beim Auftauchen. Game over. Nichts ganz Fatales gottseidank, aber weitere Tauchgänge sind vorerst gestrichen. Ich werde fortan gemeinsam mit Amelie, der es ähnlich geht, zum Schnorchel-Anhängsel. Nicht das, was ich mir gewünscht habe. Aber da wäre ich wieder beim Anfang meiner Story - ein Metier, nicht wirklich menschgemacht, man muss es sich erobern und das gelingt eben nicht immer. Somit bleibt mein Blick ein nur ganz vager, nur einen Spalt breit öffnet sich das Fenster zu dieser Welt für mich. Heute jedoch durfte ich über den schönsten Korallengarten meines Lebens schnorcheln.
Wir sind mittlerweile bereits in Misool, in einer 17 stündigen Nachtfahrt hat uns die Acomo Isseki hierher geschippert. Unser Dingi setzt zuerst die Taucher an ihrem Abstiegsplatz aus und dann uns Schnorchler nahe am Riff. Die Sicht ist gut und klar, das seichte Wasser gibt einen herrlichen Blick in diesen Garten Eden frei. Hartkorallen unterschiedlichster Art bilden geradezu Beete, in denen sich das Leben genüsslich entfaltet. Von der Riffkante her strömen riesige Fischschulen heran, machen dort gerne Halt und lassen sich in der Strömung treiben. Völlig mühelos tun sie dies, während ich unentwegt aufwendig meinen Standort zu halten versuche. Dann tauchen aus dem deep blue zwei mittelgroße Napoleonfische auf. Es ist immer wieder ein Highlight, Großfische zu sehen. Vielleicht noch mehr aber faszinieren mich die riesigen Gruppen kleiner, bunter Fische. Sie nehmen uns quasi in ihre Mitte, umhüllen uns von allen Seiten - nur leider nicht von oben, das erlebt nur Christian in der Tiefe. Der Fischreichtum ist gigantisch hier. Manche sind auch richtig neugierig, meist die größeren, sie fixieren uns geradezu mit einem Auge und verfolgen uns ein langes Stück der Schnorchelstrecke. Immer wieder taucht der eine rechts oder links von mir auf. Ein Feuerwerk aus Farben und Formen, das sich in den folgenden Tagen noch steigern sollte.


































