Schlachtungen 

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Gräber

 Nach der Zeremonie gelangt der Leichnam in ein Felsengrab oder auch in eines in der Erde. Die von Kalksteinen zerklüftete Landschaft bietet viele Möglichkeiten, Nieschen in den Fels zu hauen. Früher noch viel aufwändiger gestaltet, sehen wir doch immer wieder auch welche jüngeren Datums. Die einst hängenden Särge weit oben in der Felswand, nur sehr honorigen Bürgern angedacht, werden heute nicht mehr neu geschaffen. Dennoch gilt aber, je höher der Status, desto weiter oben und aufwändiger. 

Eine Besonderheit, die wir heuer erstmals wahrnehmen, sind Baby-Graves. Jede dörfliche Community hat einen bestimmten Baum, in dem verstorbene Neugeborene ihre Ruhestätte finden können. In nur ganz spezielle Bäume werden 20 cm tiefe Cavernen geschnitten, in die das tote Neugeborene, in Tücher eingewickelt, gelegt wird. Dort, so der Glaube, möge es mit dem Saft des Baumes weiterwachsen und aufsteigen. So könne seine Seele oben wieder austreten und weiterleben. Diese Graböffnungen dürfen auch nur mit ganz speziellen Blättern verschlossen werden, sodass der Baum selbst darunter auf keinen Fall leidet oder erkrankt. 

Es vergehen kaum 10 Minuten Autofahrt, ohne dass man hier nicht auf Gräber oder Kultstätten stößt. Tief im Hochland bei Batatumonga sehen wir häufig große Kalksteinmonolithen zu einem Zeremonienplatz arrangiert. Auch dort finden Feierlichkeiten statt. 

 

Und nun noch zu den Tierschlachtungen als Höhepunkt jeder Zeremonie:

Büffel gelten als Reittiere und Helfer für die Reise ins Reich der Ahnen, nach Puja. Die Opferung der Tiere gilt der Besänftigung der Seelen für eine gute Weiterreise in die nächste Welt.  Und JA, es fließt viel Blut, es ist ein Schächten der Tiere. Büffel werden durch einen Schnitt durch die Halsschlagader getötet und es dauert, bis er so viel Blut verloren hat, dass es ihn niederstreckt. Er taumelt und oft bäumen sich die Tiere auch im Liegen noch auf. Zu diesem Zeitpunkt ist die Aufmerksamkeit aller Anwesenden (ausgenommen unserer, weil zu fremd, zu irritierend) schon beim nächsten Programmpunkt. Der nächste Büffel wird herangeführt und angepflockt. Meist aber erfolgt der Tötungsakt sehr rasch und wie ich meine, mit einem eher kurzen Leidensprozess, da der Büffel davor nicht wirklich erkennt, was auf ihn zu kommt. 

Schweine sterben im Hintergrund durch einen Stich ins Herz. Dieses Prozedere finde ich zugegeben grausam, weil die empfindsamen Tiere schon zuvor eindeutig Angst verspüren und für den endgültigen Tod noch mehr Zeit brauchen als die Büffel. Das auf den Bambusgestellen bewegungsunfähig Angebundensein, verursacht ihnen bereits große Qualen, was ihr durchdringendes Schreien verdeutlicht.  Kaum ist ein Schwein getötet, wird es gehäutet, ausgeweidet, geflämmt und weiter verarbeitet. Entweder im Kochtopf oder es wird als Mitnahmegeschenk in kleinen Teilen für die Gäste verteilt.

In der Küche ist den ganzen Tag reger Betrieb, das gekochte Fleisch wird in Bambusrohre gefüllt und darin über Feuer weiter gegart. Serviert gemeinsam mit Reis in Papierstanizel gehört es zum traditionellen Festtagesessen. Natürlich haben wir es auch probiert ... Nein, es kommt sicher nicht auf die Liste meiner Lieblingsspeisen. Ich wundere mich im Gegenteil immer wieder, was mein Magen alles verträgt 

Wir sind zu allem eingeladen und jeder freut sich sichtlich über unsere Anwesenheit. Es ist ihr Fest, es sind ihre Rituale - wir dürfen daran teilnehmen und das ist eine Ehre für uns und für sie. Aber trotzdem, immer wieder schaudert es mich, immer wieder fehlt mir Verständnis. Aber eines ist sichtbar - nirgends sonst habe ich bisher so aufwändige Tradition miterleben dürfen und selten sonst habe ich so viel Sinn für Gemeinschaft gesehen. So ein Fest auszulegen erfordert ganz viel Zusammenhalt, und das über Jahre hinweg. Anders ist es finanziell nicht zu stemmen. 

 

Die Toraja versuchen sich ethischen Fragen der Tierschlachtung zu stellen und dabei trotzdem ihren Traditionen treu zu bleiben. Es gibt viele Initiativen, einer artgerechten Tierhaltung, erzählt man uns. Doch wenn ich ehrlich bin, kann ich davon nichts erkennen. Nicht bei den Zeremonien, nicht am Feld und auch nicht auf den kleinen Gehöften, an denen wir vorbei kommen. Ich sehe Bullen an viel zu kurzen Stricken angebunden, sodass sie sich kaum bewegen können. Manchmal sogar mit dem Schädel weit nach oben gezogen, damit ihre Nackenmuskulatur gekräftigt wird. Zu dem einfachen Zweck, den Wiederverkaufswert zu erhöhen oder den Bullen kräftig genug für einen Stierkampf zu machen. Der Bulle kann seinen Kopf nicht senken, weil der Nasenring ihn nach oben zieht. Nicht den ganzen Tag, erklärt man mir auf meine Frage hin, nur für ein paar Stunden. Dann bekommt er eine ausgiebige Dusche mit dem Schlauch, was ihn sichtlich erfreut, wie wir mehrmals sehen konnten. Grundsätzlich versuchen sie Büffel gesund und schön zu erhalten, das stimmt. Es erhöht den Wert. Ich sehe aber auch Schweine in kleinen Ställen, oft auf geschottertem Boden. Schweine lieben es mit ihrem Rüssel in weicher Erde zu graben oder noch besser, sich darin zu suhlen. Dazu gibt es kaum eine Möglichkeit. Am Markt ist ihre Unterbringung bzw Darbietung nur dem Verkauf gewidmet, nicht ihrem Wohlbefinden. Und zum Abtransport werden Schweine straff und ganz sicher schmerzhaft auf kleine Bambusgestelle gebunden und so am Moped transportiert. Hühner stecken in einem Sack oder hängen seitlich am Moped. Nein, das alles ist nicht schön. Aber ist es das bei uns in der Massentierhaltung? Auf Spaltböden? In Neon beleuchteten Ställen mit automatischer Mast-Fütterung bis kurz vor dem Herzinfarkt? Wer Fleisch isst, Züchtung und Transport dabei nicht selbst überwachen kann, hat nun mal keine wirkliche Handhabe darauf, was vor dem Teller mit dem Tier geschehen ist. Die Romantik geht da ganz rasch verloren. Wenn ich an die Hochlandrinder unseres Nachbarn denke, auch an die Schafe, die auf seinem Hof leben dürfen, oder auch an die Hirsche meines Cousins auf der Weide, dann weiß ich, es geht auch anders. Aber davon lässt sich keine fleisch-essende Gesellschaft ernähren. Also zurück zur Realität. Es gibt hier wie dort en gros keine idyllische Weidehaltung, und schon gar nicht, wenn wir in der industriellen Realität bei uns angekommen sind. In den meisten Regionen dieser Erde hat sich der Mensch dem Tier übergeordnet, ob uns das nun gefällt oder nicht. Vielleicht ist es bei den Inuits noch anders, die mit und von ihren Yaks leben. Vielleicht auch in manchen einfachen Gegenden, wo Menschen nomadisch mit und von ihren Ziegen oder Schafen leben. Vielleicht dort.....