Tana Toraja
Von Makasar geht es gut 8 Std nach Norden, je näher dem Hochland umso kurviger. Nahe an Rantepao tauchen die ersten riesigen Dächer auf, wie riesige Bullenhörner ragen sie aus der Landschaft. Wasserbüffel gelten als Symbol für Reichtum. Manche meinen, die Dächer traditioneller Toraja-Häser wären der Form eines Schiffsrumpfes nachempfunden, weil die Menschen einst Seefahrer waren. Welche Erklärung nun die richtige sein mag, sie prägen auf jd Fall das Landschaftsbild und ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Meist bilden mehrere Häuser quasi einen Hof für eine Familie. Heute werden mitten hinein z.T. neuere Bauten gestellt - manchmal stimmig, dann wieder weniger. Ansonsten bestimmt üppiges Grün die Region, Am schönsten ist die Gegend um Batatumonga, bereits auf 1.300m Höhe. Kühler und noch üppiger in jeder Hinsicht - tropische Bergwälder zwischen steilen Reisterrassen.
Tana Toraja, das Land der Toraja ist nicht einfach nur ein Reiseziel, es ist vielmehr eine Begegnung mit einer völlig neuen Sicht auf den Tod. Hier wird deutlich, wie vielfältig der Umgang damit sein kann, wie vielschichtig die damit verbundenen Rituale. Der Totenkult ist hier ganz besonders ausgeprägt. Ihn zu zelebrieren bedeutet hier viel mehr als eine Hochzeit oder eine Geburt.
Der Tod ist hier allgegenwärtiger Teil des Alltags und beansprucht viel Zeit, sehr viel Zeit. Er bedeutet für die Toraja nicht das Ende, sondern den Übergang in eine andere Welt. Für mich wird auf besondere Weise spürbar, mit welcher Leichtigkeit die Toraja mit dem Tod umzugehen verstehen. Vielleicht gerade durch die Intensität ihrer Riten. Tod und Trauer müssen nicht nur Schmerz bedeuten, sie festigen auch immer wieder aufs neue ihren Sinn für Gemeinschaft und den festen Glauben an eine Weiterreise in diese andere Welt, die sie Puja nennen.
Verstorbene verbleiben vorerst im eigenen Haus, nicht als Tote aufgebahrt, sondern als "Schlafende". Der Leichnam wird mit Formaldehyd, Essig und Kräutern behandelt, schön gekleidet und ruht - manchmal auch mehrere Jahre, bis die Familie genug Geld für eine entsprechende Zeremonie gespart hat.
Wir dürfen den Vater unseres Guides, der vor zwei Monaten verstorben ist, und jetzt also "so schlafend" aufgebahrt liegt, besuchen. Seine Frau, 84jährig, ist sehr stolz darauf, uns von ihm erzählen zu können und möchte auch, dass wir ihn besuchen. Ein berührender Moment, als wir das Zimmer betreten und Mutter und Sohn, erklären "Papa, jetzt kommen Elke und Christian auf Besuch zu dir". Im Kopfbereich ist der Sarg geöffnet und die Ehefrau streichelt ihrem Mann sanft über die Wange. Auch ich habe das Bedürfnis, ein paar Worte an ihn zu richten, mich für den Besuch zu bedanken. Sein Gesicht sieht gleich wie auf dem Foto aus, das sie uns vorher gezeigt hat. Sie richtet einen Spitzenschal in seinem Nacken zurecht und lächelt sanft ihrem schlafenden Ehemann zu. Und SIE bedankt sich wiederholt bei uns für den Besuch. Sehr berührend. Die Zeremonie für ihn wird in einem Monat stattfinden - bis dahin darf er weiter einfach schlafen. Ich habe den Eindruck, dass diese Art des langsamen Abschieds die Trauer vielleicht tatsächlich besänftigen könnte. Ein schöner Gedanke.
Zweimal nehmen wir am mehrtägigen Trauerritual Rambu Solo teil. Ein sehr spezielles Erlebnis, durchaus herausfordernd, etwas, auf das man vorbereitet sein sollte. Wir sind es - besuchen wir die Region ja bereits zum zweiten Mal. Wir sehen ganz viel gelebte Tradition, doch ohne Inszenierung, große Spiritualität, ohne jeglichen Kitsch.
Tierschlachtungen sind der wesentlichste Bestandteil der Zeremonie. Sie sind Ausdruck des Respekts vor den Verstorbenen, und je höher der Status desjenigen war, desto mehr Tiere werden geopfert, desto wertvoller sind die beigesteuerten Büffel. Es geht nicht um die Frage, ob mir das gefällt oder ob ich es für richtig erachte - es ist gewachsene Tradition, tief verwurzelt mit dem Glauben an die Ahnen.
Das Fleisch wird unter den Anwesenden geteilt oder manchmal auch an andere gespendet - als Zeichen der Gemeinschaft, nichts wird verschwendet. Und das heute erbrachte Geschenk zu Ehren des Verstorbenen, wird von der Familie beim nächsten Begräbnis mit gleichem Wert zurückgegeben. Dies erfordert der Respekt. Und so dreht sich eigentlich ständig alles um die Organisation rund um den Tod.
Es ist eine Reise, die zum Nachdenken einlädt - über den Tod und über die Bedeutung der Einzigartigkeit kultureller Errungenschaften. Eine Reise, die nachhallt ....



































