Zwischen Schüttregen und Sandsturm von Ost nach West

 

Wir haben auf der einen Seite ein Ziel … wir haben auf der anderen Seite das Wetter … und immer haben wir das Nachsehen! Vorerst also nichts mit der Mandelblüte in Tafraoute, nur schade, dass die Blüten ja nicht auf uns warten werden. Sollten wir Tage später also doch nochmal dort vorbei kommen, dann ist das duftende Schauspiel leider wohl schon vorbei. Wir haben also die Richtung gewechselt, fahren gen Osten.  Immer wieder sind wir verwundert, wie rasch sich das Straßennetz in Marokko verändert. Und ganz eindeutig, es wird komfortabler. Das mag nun die Offroadfreaks weniger freuen, denn tatsächlich wandelt sich Piste um Piste rascher als gedacht in eine durchaus akzeptable Straße. Wir allerdings sehen diese Mischung als sehr positiv. Sind demnach nicht ständig  im Schatten guter Straßen auf Holterdipolterpisten  unterwegs, sondern wählen ganz gerne das Asphaltband um größere Distanzen von A nach B zu überwinden und dann für den Offroadspaß nur ausgesuchte Pisten. Wir fahren also schnurgerade durch die durchaus reizvolle Steppenwüste südlich des Atlas. Die Landschaft hat alle Farben verschluckt, nur Brauntöne konnten sich weiterhin behaupten. Aber wie gesagt, eine durchaus spannende Landschaft – und das Wetter spielt gerade mal mit! Die Berge zeigen wieder ihr „faltiges Gesicht“, geschichtet wie eine Doboschtorte säumen sie unseren Weg und zwischendurch sieht man das Werk von Wind und Wetter. Wie Tajintöpfe blieben die Gesteinskegel in der Landschaft stehen, wenn die Erosion ihr Werk getan hatte.

 

Die Dörfer, die wir passieren erscheinen uns irgendwie „aufgräumter“, als wir das von früheren Marokkoreisen in Erinnerung haben. Macht das die Gewohnheit, haben sich unsere Vorstellungen verschoben? Das mag schon so sein. Je besser man eine Gegend kennt, desto weniger irritierend wirken Schmutz und Verwahrlosung. Man weiß es dann einfach schon und die Erwartungen sind von vornherein sehr niedrig. Umso mehr erfreut man sich dann aber  an positiven Veränderungen. Und hier sei angemerkt, dass wir nicht nach einem herausgeputzten, von ausschließlich bunten Farben dominierten, nach Weihrauch und Sandelholz duftenden, Marokko suchen. Das wäre zum Einen unrealistisch und irgendwann auch furchtbar langweilig, aber zugegeben, weniger Dreck erfreut uns doch sehr.

 

Das Dràa-Tal zeigt sich hier von seiner wirklich schönen Seite. Wir sind bereits ganz nahe an der Straße der Kasbahs und passieren immer wieder alte und auch neu renovierte Ksars und Trutzburgen. Die Schutzburg Tamnougalte ist die älteste Kasbah des Tals und ihre Gründung geht auf den Begründer der Alawitendynastie im 17. Jhd. zurück. Über viele Jahrhunderte war diese Kasbah Herrschaftssitz und Schutzburg für die umliegenden Dörfer zugleich. Heute führt uns ein junger Führer durch die engen Gassen der alten Gemäuer, erklärt die Bedeutung der einzelnen Räumlichkeiten und gibt Einblick in das Leben von damals. Dafür will er seinen Obolus. Natürlich, das soll er ja auch haben – wenngleich, der ist diesmal vielleicht ein bisschen hoch angesetzt. Aber klar, hier kommen mehr Touristen vorbei, v.a. auch in Gruppen, und schon gehen die Preise nach oben. Obwohl das Land durch seinen König Mohamed VI zweifellos einen Aufschwung erlebt, merkt man trotzdem, dass jeder auch aus der kleinsten Dienstleistung ein Geschäft machen möchte. Hier muss jeder Besucher seinen eigenen Weg da durch finden.

 

Wir treffen wie vereinbart auf Thomas und Sabine, die wir zuvor in Marrakesch kennen gelernt haben und beschließen, die nächsten Tage gemeinsam durch die Wüste zu reisen. Unser schöner, schon bekannter Standplatz vor dem Tafelberg vor Merzuga bietet wieder eine herrliche Kulisse, wäre da nicht der verdammte Wind, der von Stunde zu Stunde an Stärke zunimmt. Egal, wo wir rumkurven, es wird nicht besser. Unsere zuvor noch gewaschene Wäsche landet nach einem kräftigen Windstoß  wieder im Sand – juhu! Irgendwann wird der Sturm so stark, dass wir uns alle nur noch in die LKWs verziehen, die Temperatur drinnen steigt auf 33 Grad, weil Fenster zu öffnen, ist nicht mehr drin. Wir hängen unsere Wäsche dann drinnen auf, so irgendwo zwischen Küchenzeile, Eingangstür und Badezimmerhaken, was sich aber durchaus als Vorteil erweist: Das Prinzip Verdunstungskälte macht sich bezahlt! An diesem Abend muss es dann auch mal ein Film von der Festplatte sein, die Luft draußen hat sich mittlerweile nämlich gelb von Sand und Staub gefärbt.

 

In den nächsten zwei Tagen ist das Wetter immer noch so wechselhaft, dass eine Übernachtung in den Dünen einfach nicht empfehlenswert ist. Unser Abstecher in das Dorf Jorf führt uns noch über die vielen Foggaras, die wir mit viel Respekt umschiffen. Das sind tiefe Brunnen, die ein unterirdisch weit verzweigtes Kanalsystem verbinden. Da die Wartung, die früher von schwarzen Sklaven getätigt wurde, sehr aufwendig ist, sind diese Systemeheute  weitgehend in Vergessenheit geraten. Doch um dort einzubrechen, würden sie immer noch ausreichen. Und das wollen wir nicht! Diese Erfahrung hatten wir im Vorjahr ja schon „gesammelt“.

 

Wir besuchen noch unseren alten Bekannten Mubarak, dem wir bei unserem letzten Aufenthalt versprochen haben, etwas (!) mitzubringen: Ein Fahrrad und ein Handy. Na der hat eine Freude, als wir dann tatsächlich damit vor dem Wüstencamp stehen, in dem er arbeitet. Den morgendlichen Ausflug mit seinem Kamel auf den Chebbi verhindert leider wieder der Wind und wir fahren wieder ein Stück weiter – man kann nichts erzwingen. Wir treffen in Merzuga noch auf die Teilnehmer der Touareg-Ralley, hartgesottene Offroadbiker, die sich vom Wind nicht beirren lassen.

 

Aber jetzt langsam, scheint es besser zu werden …. wir haben Regen und Wind ausgesessen und hoffen auf konstante Bedingungen für unser angestrebtes Wüstenabenteuer….