On board to Marokko
Das Procedere ist chaotisch und funktioniert doch irgendwie. Nach 2maliger Verschiebung gibt es einen Fährtermin. Eine Voranzeige, wofür man sich wo anzustellen hat - Fehlanzeige. Eine Zeitvorgabe, was wann wo stattfindet, gleicht Kaffeesudlesen. Aber ja, alle sind geduldig, alle sind freundlich. Das Publikum besteht zu 80% aus marokkanischen Gastarbeitern, die wohl auf Heimaturlaub sind. Dementsprechend hoch aufgepackelt sind ihre Fahrzeuge. Die Anzahl der Overlander auf ihrem Weg nach Afrika ist auch deutlich größer, als das letzte Mal. Na ja, ist der einfachste Weg auf den afrikanischen Kontinent zu kommen. Irgendwann um 02.00 Uhr morgens sind wir in unserer Suite. Sie ist simpel und staubig, aber irgendwie auch OK. Wir - übermüdet, aber auch aufgekratzt. Der nächste Morgen wird sicher besser.
Der Kopf ist bekanntlich rund, um auch mal den Blickwinkel zu ändern. Ja eh - aber kaum drehe ich mich um, stehe ich verkehrt. Und schon ist es passiert. Mein Interner Kompass erfährt eine Unschärfe, die ich kaum zu klären vermag. Als ob ein besonders starker Magnet der Nadel Streiche spielen wollte, beginnt sie sich zu drehen - linksrum, rechtsrum. Also wo jetzt??? Ich präge mir Punkte ein, aber herausragende Spots sind auf so einer Fähre Mangelware. Alles ähnelt sich. Treppen, Gänge, Plüschsitze .... und Spiegel (!) - eine infame Attacke auf Orientierungslose. Der Blick hinaus aufs offene Meer hilft ein klein wenig. Wir fahren nach Süden, Land ist also rechts von uns. Das mit vorne und hinten wäre somit geklärt. 1:0 für mich!
Aus Sicherheitsgründen zapple ich auf meinen ersten Runden Christian hinterher und entdecke Gleiches immer wieder neu. Es braucht also einige Spaziergänge vor und zurück, die Decks rauf und runter, bis mein Hirn ein einigermaßen sinnvolles Koordinatensystem aufgebaut hat. Das zu verstehen, vermag nur jmd, dem es ähnlich geht, wie mir.
Und sonst so? Der Horizont wandert rauf und runter, rechts wie auch links. Das Schiff schwoit deutlich mehr als erwartet. Das wiederum macht mir nichts - ich bin ja seefest und bedaure all jene armen Tröpfe, die es nicht sind. Und so wandert mein Blick hinaus aufs Meer, tänzelt tapfer die Wellenkämme rauf und runter, zieht mich in ein bekanntes aber doch fernes Land und lässt große Vorfreude aufkommen.