Venedig

Eine Stadt, erbaut auf über 100 Inseln, jedes alte Bauwerk gestützt von unzähligen Eichenstämmen. Eine Stadt, in der man einfach immer weitergehen muss, weil das Gassengewirr einen dazu zwingt - mal charmant, mal verwirrend. Wenn der Dampf unter dem Schirm die Brillen beschlägt, das Objektiv tapfer den Regentropfen trotzt und man einem chinesischen Schirmgegner erfolgreich ausgewichen ist, dann ist das "Venedig im Regen". Der Morgen danach dampfig, vielleicht sogar mystisch, manche Ecken noch in den Fängen nächtlicher Träume. Schlafende Wasser in manch düsterem Kanal, einsam noch, bevor dieser Touristenmagnet aufs Neue erwacht. Doch abseits von Café Florian und Harry's Bar ist der morbide Zauber dieser einzigartigen Stadt nicht zu übersehen. Unser schönes Appartement, mit Blick auf eine der Wasserstraßen und auf den Campo Santo Stefano hätte nicht besser sein können - inmitten lebendiger Vergangenheit.

Auf den zweiten Blick erlebt man in dieser Stadt ganz viel Alltag. Nur eben doch anders, weil auf dem Wasser. Baukräne auf stabilen Lastenboten, ein Fed Ex-Boot am eigenen Pier, Müllabfuhr, Ambulanz, Polizei und auch die Bestattung - Boote für jeden Anlass. Erstaunlich, wie viel "Normalität" auf den Kanälen zu finden ist. 

Viele Fassaden sind vom ewigen Nass gezeichnet. Es kriecht bedrohlich nach oben, macht die unteren Stockwerke oft unbewohnbar. Doch irgendwie scheint auch das dieser Stadt nichts anhaben zu können. Sie wirkt immer noch stark und mächtig, wie einst die Dogen, die hinter diesen Mauern regierten. 

 

Wie entlang einer  magischen Spur zieht es mich durch die Gassen, fesselt den Blick an unzählige Kleinigkeiten. Sie zu bestaunen,  ist als ob man das Funkeln der Sterne am Nachthimmel sieht und gleichzeitig Vergangenes betrachtet.