Eine bizarre Landschaft

Diese Gegend ist so lebensfeindlich und bizarr, so zumindest erscheint sie uns, dass wir auch keine Erklärung dafür finden, was Menschen dazu bewegt, sich hier anzusiedeln. Aber immer wieder passieren wir kleine Steinhäuser, einen Ziegenstall oder ein paar Felder. Wir befinden uns am Ende der Sommerzeit, der Regen wird erst in den nächsten Wochen einsetzen und so dominieren Grau und Braun diese Landschaft. Wir sind beeindruckt ob der Mächtigkeit aber dennoch sehnt sich unser Auge sehr bald nach tröstlicheren Farben - jeder noch so kleine grüne Farbtupfer eines Strauches, der die Sommerhitze überlebt hat, zieht unsere Aufmerksamkeit sofort auf sich. Immer wieder frage ich mich, was dies wohl mit den Menschen macht, wenn das Farbspektrum dermaßen eingeschränkt ist –  fehlen dann am Ende Schwingungen, die der Mensch eigentlich brauchen würde? Oder ist eben das s die normale epigenetische Anpassung. Uns würde auf lange Sicht hier auf jeden Fall etwas fehlen.

Die Landschaft ist immer wieder mächtig. Wir haben über weite Strecken den Eindruck, der Oman sei eine einzige riesige Schottergrube. Zerklüftete Felsformationen, die zu zerbröseln scheinen und in der Ebene nichts als brüchiges Gestein zurücklassen. Eine im Grunde trostlose Gegend, durchzogen von wenigen aber exzellent ausgebauten Straßen, was das Bild erst recht surreal erscheinen lässt. Immer wieder kleine Dörfer, die Farben der Häuser so angepasst an die Landschaft, dass sie fast verschluckt werden, unsichtbar für unsere farbenverwöhnten Augen. Wir haben uns mittlerweile aber ganz gut eingelebt. Unsere Vorstellungen von diesem Land sind etwas klarer geworden und wir wissen nun, dass die Berge zwar beeindrucken, aber eben primär durch die Ausblicke, die sie von ganz oben gewähren. Dorthin wollen wir nun auch, auf den Jebel Shams, den „Berg der Sonne“. Das Plateau liegt unmittelbar oberhalb einer gewaltigen Schlucht, die zu Recht der „Grand Canyon“ Omans genannt wird.


Wir suchen uns einen sehr exponierten aber tollen Standplatz für unser Zelt. Mittlerweile sind wir im Procedere des Auf- und Abbauens schon sehr geübt und jeder weiß, welchen Handgriff er zu tun hat um möglichst bald eine funktionierende Infrastruktur zu haben. Hier am Berg sollte dies noch rascher funktionieren, da es sobald die Sonne untergegangen ist, empfindlich kalt wird. Kochen und sitzen im Freien sind dann nur noch bedingt lustig. Somit verkriechen wir uns auch bald ins Zelt und verschieben das Wegräumen auf den nächsten Tag. Das war ein schwerer Fehler! Die Ziegen, die hier allgegenwärtig sind, haben sich an unserem nicht abgewaschenen Geschirr gütlich getan. So waren Teller, Topf und Pfanne am nächsten Tag zwar sauber leergeschleckt, aber auf das Abtrocknen und Zusammenräumen haben sie vergessen!